ZARİF TAFEL
EINE HOMMAGE AN DIE PROVENCE: DIE ABSCHIEDSTAFEL FÜR DEN LETZTEN SOMMER
Die Farben der Weinlese, die erste Kühle des Oktobers und eine lange Herbsttafel rund um ein knisterndes Kaminfeuer
Für eine Tafel ganz im Zeichen des Winters ist es im Oktober noch zu früh.
Im Garten ist noch ein wenig Sommer. Die Nachmittagssonne fällt durch die Fenster, und das Licht, das durch die Olivenzweige sickert, legt sich auf den Tisch. Doch sobald die Tage kürzer werden, schlägt die Stimmung um. Die Abendkühle wird spürbar, ein feiner Schal, der über einer Stuhllehne lag, wandert um die Schultern, und im Kamin brennt das erste Feuer.
Genau zwischen diese beiden Jahreszeiten decken wir in diesem Monat die Zarif Tafel.
Unsere Inspiration sind die Provence, die wir in Zarif Reisen besucht haben, und die Zeit der Weinlese.
Doch statt eine französische Tafel eins zu eins nachzuahmen, fangen wir den Geist der Provence ein: die Trauben aus den Weinbergen, die Olivenzweige, die Feigen, das naturbelassene Leinen, die warme Keramik, die langen Mahlzeiten und die Abende ohne Eile …
Und all das tragen wir an die Oktobertafel von Zarif Yaşam.
Diesmal ist der Tisch nicht rund.
Sondern lang.
Denn manche Tafeln werden nicht nur zum Essen gedeckt, sondern um zu teilen.
ZWISCHEN GARTEN UND HAUS
Unser Ort ist weder ganz drinnen noch ganz draußen.
Stellen Sie sich einen halb offenen, halb geschlossenen Wintergarten vor, mit großen Fenstern zum Garten, Oberflächen aus Naturstein und Details aus Holz.
Hinter den Scheiben setzt sich der Garten fort, der sich allmählich herbstlich färbt. Drinnen stehen Oliven- und Bitterorangenbäumchen in großen Töpfen, es gibt natürliche Texturen und ein warmes Licht.
Und auf einer Seite brennt der Kamin.
Vor allem nach Sonnenuntergang verwandelt das Kaminfeuer die Atmosphäre dieser Tafel. Der helle Raum, der tagsüber mit dem Garten verschmilzt, wird am Abend im warmen Schein von Kerzen und Feuer intimer.
Über einige Stuhllehnen legen wir feine Schals aus Wolle oder Kaschmir.
Sie sind nicht bloß Dekoration.
Sondern ein kleines Detail der Gastfreundschaft, das man sich tatsächlich um die Schultern legen kann, wenn der Oktoberabend kühl wird.
Denn die Eleganz einer schönen Tafel verbirgt sich manchmal gerade in kleinen Details, an die gedacht wurde, bevor der Gast sie überhaupt braucht.
DIE FARBEN DES PROVENZALISCHEN HERBSTES
Eine Herbsttafel zu decken bedeutet nicht, den Tisch mit Braun und Orange zu füllen.
Wir bewahren das Licht.
Die Basis des Tisches bilden Elfenbein, gebrochenes Weiß und naturbelassenes Leinen.
Hinzu kommen die dunklen Traubentöne der Weinlese, Olivgrün, das Rosa der Feige, Kastanienbraun, Honig und Bernstein. Kleine Kürbisse setzen einen warmen Akzent, der an den Oktober erinnert.
Wenn wir Gold verwenden, dann ebenfalls maßvoll. Ein warmes, leicht patiniertes Gold an einem schlanken Kerzenleuchter, einem kleinen Serviettenring oder einem Servierstück genügt.
Die Palette, die so entsteht, ist weder so hell wie der Sommer noch so dunkel wie der Winter.
Sie ist ganz und gar Oktober.
DIESMAL EINE LANGE TAFEL
Das Schöne an einem langen Tisch ist, dass wir nicht die ganze Tafel um ein einziges großes Blumenarrangement herum aufbauen müssen.
Deshalb stellen wir kein hohes, opulentes Bouquet in die Mitte des Tisches.
Stattdessen schaffen wir eine Linie, die sich ganz natürlich über die Länge des Tisches zieht.
Ein paar Olivenzweige …
Dunkle Weintrauben …
Feigen, die halbiert ihr rosiges Inneres zeigen …
Kleine cremefarbene und blassorange Kürbisse …
Und dazwischen verstreut einige kleine Blumen der Saison.
Zum Schluss kommen die Kerzen.
Schlanke, hohe Kerzen lassen sich mit kleinen Windlichtern aus Glas kombinieren. Hohe Kerzenleuchter stellen wir jedoch nicht direkt vor die Gäste.
Denn eine Dekoration, mag sie in der Mitte der Tafel noch so schön sein, verfehlt ihren Zweck, wenn sie verhindert, dass die Menschen einander sehen.
Im Mittelpunkt der Tafel steht nicht die Dekoration, sondern die Menschen.
VERSTECKEN SIE DAS HOLZ NICHT
Wenn wir einen schönen Tisch aus naturbelassenem Holz haben, müssen wir ihn nicht vollständig bedecken.
Ein weich fallender Tischläufer aus Elfenbein oder naturbelassenem Leinen, der sich durch die Mitte des Tisches zieht, kann genügen.
Die Wärme des Holzes soll sichtbar bleiben.
Beim Geschirr passen statt hochglänzenden, makellosen Porzellans cremefarbene oder gebrochen weiße Keramiken mit leicht handgemachtem Charakter besser zum ungezwungenen Wesen der Provence.
Platzsets mit natürlicher Struktur sind eine schöne Wahl.
Auch die Servietten sollten aus Leinen sein.
Komplizierte Falttechniken braucht es jedoch nicht. Ein kleiner Olivenzweig auf einer locker gefalteten Serviette wirkt manchmal weit eleganter als das aufwendigste Serviettenarrangement.
Was wir suchen, ist keine rustikale Landhaustafel.
Sondern einen Tisch, an dem sich die natürliche Provence und die Feinheit von Zarif Yaşam begegnen.
DIE ORDNUNG DER ZARİF TAFEL

Die Schönheit einer Tafel entsteht nicht nur durch die Stücke, die wir auswählen, sondern dadurch, dass wir sie richtig platzieren.
Lassen Sie vor jedem Gast genügend Raum, damit er sich bequem bewegen kann. Rücken Sie die Stühle nicht zu eng zusammen. Bei einem langen Abendessen ist Komfort ebenso wichtig wie der Anblick des Tisches.
Teller
In der Mitte jedes Platzes steht der Hauptteller.
Darunter kann ein schlichter Platzteller oder ein Platzset mit natürlicher Struktur liegen.
Da in diesem Monat Kürbissuppe auf unserem Menü steht, können wir zu Beginn die Suppenschale auf den Hauptteller stellen.
Unsere Anordnung:
Platzset → Hauptteller → Suppenschale
Ist die Suppe beendet, wird die Schale abgeräumt, und der Teller darunter steht für den Hauptgang bereit.
Gabel, Messer und Löffel
Die Regel, die man sich am leichtesten merkt:
Gabeln liegen links.
Messer und Löffel liegen rechts.
Die Schneide des Messers zeigt zum Teller.
Wird mehr als ein Besteck verwendet, arbeitet man sich in der Reihenfolge der Gänge von außen nach innen vor. Das zuerst benötigte Teil liegt ganz außen.
Der Suppenlöffel kann daher rechts außen liegen.
Das Dessertbesteck müssen wir nicht von Anfang an eindecken. Den kleinen Dessertlöffel erst mit der Crème brûlée zu bringen, lässt den Tisch schlichter und luftiger wirken.
Brotteller
Der kleine Brotteller steht links oberhalb des Haupttellers.
Bei Bedarf kann ein kleines Buttermesser daraufgelegt werden.
Gläser
Die Gläser werden rechts oberhalb des Tellers gruppiert.
An dieser Tafel füllen wir den Tisch nicht mit Gläsern, sondern wählen nur die Stücke, die wir tatsächlich benutzen.
Ein Wasserglas und, falls Wein serviert wird, ein Weinglas genügen meist.
Feine, schlichte und klare Gläser stören den natürlichen Charakter dieses Tisches nicht; im Gegenteil, sie fangen das Licht von Kerzen und Kamin ein und verleihen der Tafel einen zarten Schimmer.
STATT BLUMEN AUCH EIN WENIG JAHRESZEIT
Im Oktober kommt einiger der schönste Tischschmuck nicht vom Floristen, sondern aus der Jahreszeit selbst.
Trauben …
Feigen …
Olivenzweige …
Kleine Birnen …
Maronen …
Und natürlich Kürbisse.
Doch Kürbisse setzen wir maßvoll ein.
Wir wollen keinen Tisch im Kürbis-Thema gestalten. Kleine Kürbisse in Creme, zartem Pfirsich und einigen natürlichen Orangetönen genügen, um das Gefühl des Oktobers zu vermitteln.
Größere Kürbisse stellen wir nicht auf den Tisch, sondern in die Nähe des Kamins, neben einen Korb auf dem Steinboden oder in eine andere Ecke des Wintergartens.
So drängt sich die Dekoration nicht auf dem Tisch, sondern verteilt sich über den ganzen Raum.
Die Weintrauben ganz natürlich auf dem Tisch zu verwenden, ist eines der schönsten Details, das unsere Tafel mit der Weinlese-Geschichte der Provence verbindet.
DIE JAHRESZEIT WANDERT VOM TISCH AUF DEN TELLER

Ein weiterer Reiz dieser Tafel liegt darin, dass Dekoration und Menü von derselben Jahreszeit erzählen.
Die drei Oktober-Gerichte, die wir in Zarif Küche zubereitet haben, sind diesmal zu Gast an der Tafel.
Die Rezepte erzählen wir hier nicht noch einmal.
Wir schauen darauf, wie wir sie servieren.
Vorspeise
Kürbissuppe
In einer cremefarbenen oder elfenbeinfarbenen Schale serviert, verbindet sich die warme Farbe der Kürbissuppe ganz von selbst mit den kleinen Kürbissen und den Bernsteintönen auf dem Tisch.
Ein sehr kleiner, schlichter letzter Akzent obenauf genügt.
Die Suppe selbst erzählt bereits vom Oktober.
Hauptgang
Hähnchen mit Maronen und Waldpilzen
Statt den Hauptgang in der Küche einzeln anzurichten, können wir ihn auf einer großen, schönen Servierplatte an den Tisch bringen.
Die warmen Töne von Maronen, Pilzen und Hähnchen fügen sich in die natürlichen Farben des Tisches.
Dass die Servierplatte an den Tisch kommt, schafft zugleich einen kleinen Moment des Teilens.
Jemand reicht die Platte weiter, ein anderer serviert, das Brot geht von Hand zu Hand, das Gespräch fließt weiter.
Das ist eines der Dinge, die dem Geist der langen provenzalischen Tafeln am besten entsprechen.
Finale
Kürbis-Crème-brûlée
Das Dessert wartet nicht von Anfang an auf dem Tisch.
Der Hauptgang ist beendet, die Teller werden abgeräumt.
Inzwischen wird das Licht draußen noch etwas schwächer, das Kaminfeuer tritt deutlicher hervor, und die Kerzen werden zu einer der wichtigsten Lichtquellen der Tafel.
Dann kommt die Kürbis-Crème-brûlée in kleinen, individuellen Förmchen.
Die Bernsteinfarbe der karamellisierten Oberfläche vollendet im Schein von Kerzen und Kamin das letzte Bild der Tafel.
So ist der Kürbis nicht länger nur ein Oktober-Symbol der Dekoration.
Die Jahreszeit wandert vom Tisch auf den Teller.
VOM TAG IN DEN ABEND – DIESELBE TAFEL
Wir werden diesen Tisch nicht wie zwei verschiedene Tafeln decken.
Wir decken ihn am Nachmittag und sehen zu, wie er sich im Laufe des Abends verwandelt.
In den ersten Stunden fällt natürliches Oktoberlicht durch die großen Fenster. Der Garten wirkt noch wie ein Teil des Tisches. Elfenbeinfarbenes Leinen, helle Keramik und Holz wirken heller.
Dann sinkt die Sonne langsam.
Die Farben des Gartens werden tiefer.
Während die Welt hinter den Scheiben etwas dunkler wird, brennt drinnen der Kamin weiter.
Die Kerzen werden angezündet.
Einer der Schals von der Stuhllehne wird um die Schultern gelegt.
Und ohne dass sich auf dem Tisch etwas verändert, wird aus der provenzalischen Nachmittagstafel eine warme Oktober-Abendtafel.
Denken Sie deshalb beim Decken der Tafel nicht nur an Teller und Dekoration, sondern auch daran, wie sich das Licht verändern wird.
Manchmal ist der Sonnenuntergang die schönste Dekoration einer Tafel.
EIN LETZTER BLICK, BEVOR DIE GÄSTE KOMMEN
Ist die Tafel fertig, betrachten Sie sie nicht im Stehen, sondern setzen Sie sich auf einen Stuhl.
Wie ein Gast.
Können Sie Ihr Gegenüber gut sehen?
Erreichen Sie Ihr Glas mühelos?
Steht der Brotteller an einem bequemen Platz?
Ist noch Raum für die Servierplatte, wenn der Hauptgang kommt?
Ist die Wärme des Kamins spürbar, ohne zu stören?
Liegt ein Schal griffbereit, wenn der Abend kühler wird?
Lautet die Antwort ja, ist Ihre Tafel bereit.
Denn eine elegante Tafel ist nicht der Tisch, auf den wir am meisten stellen.
Es ist auch nicht der Tisch mit dem teuersten Porzellan, den größten Blumen oder der makellosesten Dekoration.
Eine elegante Tafel ist eine Tafel, an der sich der Gast umsorgt fühlt.
Vielleicht ist genau das das Schönste, was wir aus der Provence an unsere Oktobertafel mitnehmen:
Ein paar Trauben aus der Weinlese, ein gut zubereitetes Essen, ein brennender Kamin, ein Schal um die Schultern, Gespräche, die sich in die Länge ziehen, und ein Abend, an dem niemand auf die Uhr schaut.
Denn die Schönheit mancher Tafeln liegt nicht darin, wie sie aussehen, sondern darin, wie spät die Menschen von ihnen aufstehen.
